toba borke

improvisation auf hohem niveau

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der slam in czernowitz: 24 poeten und (hauptsächlich) -innen rocken die bühne derbst

Samstag, 28. März 2009

nach unserm workshop in kiew hatten wir einiges gelernt. wir haben uns mühe gegeben unsere teilnehmer so gut wie möglich auf die bühne vorzubereiten und einen slam zu veranstalten, der wirklich taugt. und auch wenn man sich selbst nicht lobt, so muss an dieser stelle gesagt sein, dass uns das wirklich gelungen ist. das lag aber weniger an den von uns gezogenen konsequenzen nach unseren erfahrungen in kiew, sondern in erster linie an den externen poeten und -innen, dem czernowitzer publikum, der organisation und hilfe von judith und julia und unseren schützlingen. es war phänomenal.

das publikum war über zwei runden so aufmerksam, dass wir kurzerhand die restlichen acht poeten aus der offenen liste, in die sich insgesamt wohl 14 dichter und -innen eingetragen haben noch in einer dritten runde untergebracht haben, und trotz dieser gewaltigen textmenge und der entsprechenden konzentration die so etwas braucht, vorallem in zwei sprachen von denen der großteil des publikums eine nicht beherrschte und vom beamer ablesen musste, blieben so gut wie alle der knapp 150 besucher bis zum ende um die siegerinnern zu küren. es war unglaublich wie aufmerksam gefolgt wurde und ich als ausländer der die ukrainischen und russischen texte schlicht nicht verstand war derart baff was für knackige appläuse manch ruhiger, das publikum in schweigenden bann ziehende text am ende bekam. der gesamtsiegerin nach drei runden, natalia, die neben olga aus unserem kurs und zwei anderen mitbewerberinnen im finale stand, gelang es auch auf eben diese weise ins finale zu ziehen und sich dann dort den banksy-band zu sichern, den ich als hauptpreis aus deutschland mitgebracht hatte. außerdem hatte judith noch eine peter fox cd dazu gepackt damit die deutsche sprache auch akkustisch verbreitung findet.

die stimmung war unglaublich. diese ungebrochene aufmerksamkeit, de hochachtung den dichtern und -innen gegenüber und auch die qualität der vorträge (über inhalte kann ich ja als der sprache nicht mächtiger nicht viel sagen) haben nikita, judith und mich umgehauen. zwar erzählte mir ivan, einer unserer teilnehmer, es hätte schon den einen oder anderen poetryslam in czernowitz gegeben, aber er meinte auch, dass dies wohl der bisher größte und beste gewesen sei. wunderbar. mehr kann man ich wirklich nicht wünschen.

kurzum: nikita und ich werden uns heute zusammen mit mila, einer teilnehmerin die den slam gestern höchst professionell und souverän moderiert und dafür ihren eigentlichen zug hat sausen lassen, in den nachtzug nach kiew setzten, von wo wir morgen mittag dann nach stuttgart zurück fliegen. wir werden die flasche guten vodka trinken die uns unsere teilnehmer zum abschied geschenkt haben um die 17h fahrtzeit ein wenig zu verkürzen und an die letzten zwei wochen denken die mit dem slam gestern abend definitiv ihren höhepunkt hatten. wir werden leicht angedudelt seufzen und nachdenken über die tatsache, dass in der gerade von der finanzkrise so derbe gebeutelten ukraine die menschen zum größten teil zwar in matriell bescheideneren umständen leben aber dafür mehr lesen und besser schreiben. ich hoffe nicht das einer von meinen lesern hier nun beleidigt die nase rümpft, aber die qualtiät der texte die in den zwei wochen entstanden sind bleibt in dieser quantität selbst bei workshops an deutschen universitäten in meiner erfahrungswelt bisher unerreicht.

ich hoffe darauf das nikita und ich es schaffen den geplanten slamaustausch der ukrainischen poeten nach stuttgart auf die beine zu stellen. ich hoffe das ihr, die poeten, weiter schreibt und den slam in die welt tragt und ich hoffe das czernowitz bald einen regelmäßigen slam bekommt und ihr mich dann einladet. ich für meinen teil war bestimmt nicht das letzte mal in der ukraine.

letzte vorbereitungen für den slam am freitag, texte und spiele

Freitag, 27. März 2009

nachdem mich nikita heute morgen aus meiner sicht zu früh weckte um mich auf den “kaliniwski”, der markt hier, zu gehen war ich ein wenig mürisch, aber ich hatte doch die hoffnung etwas coolen nippes zu finden, spongebob t-shirts und alte sowjetischen tünneff oder sonst irgendwas in diese richtung. außer zwei bögen spongebobsticker für mich und meinen besten freund habe ich leider nichts brauchbares gefunden. ich war desweiteren sehr hungrig, aber nikita hielt mich souverän davon ab hier hausmacherwurst zu kaufen. die frage bleibt, ob er zu vorsichtig oder ich zu leichtgläubig bin. bisher habe ich in der ukraine aber, das muss gesagt werde, überduchschnittlich gut und lecker gespeist.

nach einem entspannten mittagessen mit judith im “sunytschka”, zu deutsch “erdbeerchen”, einer kleinen eckkneipe mit gerademal vier tischen nahe der universität von czernowitz, geführt von einer unglaublich gut kochenden, grimmig schauenden und extrem herzlichen dame, die nur zum mittagstisch geöffnet; machten wir uns also auf den weg zum deutschen haus, wo seit beginn unseres workshops unsere treffen stattfanden. auf wunsch der teilnehmer fingen wir diesmal wieder mit einem spielchen an. gefolgt von training für den slam morgen abend und nebenher begann ich mit den aufnahmen. ihr könnt sie euch hier im flashplayer anhören.

am freitag um drei werden wir uns treffen und die letzten male auf der bühne üben, auf der dann am abend der erste czernowitzer poetryslam stattfinden wird. ich bin gespannt. unsere teilnehmer auch. mit mila haben wir eine super komoderatorin. mit der übermotivierten gruppe kann es nur gelingen. ich hoffe ich schaffe es morgen für euch auch einen kleinen film aufzunehmen. bis dahin

czernowitz inspiriert und unsere teilnehmer lernen den slam kennen

Dienstag, 24. März 2009

heute mittag, nach dem essen waren wir auf dem alten, jüdischen friedhof. dort haben nikita und judith auch direkt zwei teilnehmer getroffen. wahrscheinlich haben sie sich auch von der atmosphäre inspirieren lassen. es war unglaublich.

danach ließen wir sie noch etwas an ihren texten feilen um einen ersten slam durchzuspielen. wir haben in kiew gemerkt, dass das bloße erklären nicht ganz reicht und so hielt nikita das für eine gute idee.
er hatte recht. es war unglaublich. die texte hier sind explizit gut und das einzige, das diese texte von einem sieg auf einem deutschen poetryslam abhalten könnte ist neben der zum teil noch etwas mickrigen länge das problem der schwiegrigkeit eine fremdsprache perfekt zu betonen. aber das ist marginal. nikita und ich sind ein wenig fassungslos von der bandbreite der texte hier. es geht von düsterer lyrik über emotionale prosa bis zu melodischen raps.

morgen fangen wir mit den aufnahmen an, versuchen einige texte zu verlängern und auch dem/der letzten die bühenscheu zu nehmen.  ich hoffe ich kann dann morgen abend schon die ersten songs hochladen. es ist sehr schwer hier ins netz zu kommen und die bandbreite ist, wie soll ich sagen, zeitraubend…
bis dahin

erster tag rap- und slamworkshop in czernowitz

Dienstag, 24. März 2009

nachdem wir nach unserem workshop in kiew etwas spät bemerkt hatten, dass lehrer und dozenten in der ukraine ansich eine respekteinflößend autorität besitzen, die unseren zielen workshopmäßig eher im weg stehen begannen wir diesmal etwas anders. wie wollten nicht, dass fragen nicht gestellt oder unverständnis nicht zugegeben wurde aus angst etwas falsch zu machen.

die gruppe hier ist größer, spricht ebenfalls sehr gutes deutsch, kommt ebenfalls aus der halben ukraine und scheint uns noch offener. die stimmung hier ist auch insgesammt sehr entspannt. das goethe-institut hat eben auch etwas respekteinflößendes, kiew ist groß und hektisch. czernnowitz hingegen, die geburtsstadt von paul celan, ist deutlich ruhiger und wirkt älter.

nikita und ich sind sehr gespannt, was hier entstehen wird.