toba borke

improvisation auf hohem niveau

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die leidige integrationsdebatte: mal wieder eine destruktive diskussion am thema vorbei

Mittwoch, 20. Oktober 2010

es passiert mir heute schon oft das ich mich als deutscher schämen muss. meist bei meinen workshops, wenn ich erleben darf wie lehrer, deren aufgabe es ist die kids zu fördern, mir erklären ich dürfte nicht zu viel erwarten, es seien eben hauptsächlich ausländer in der von mir anzutreffenden hauptschulklasse. wenn ich beobachten kann, wie hauptschulen ihre besten schüler zu halten versuchen damit ihre gute note den gesamten schülerschnitt hoch ziehen anstatt sie zu bestärken es mal auf der realschule zu versuchen und sie stattdessen auf die eigene werkrealschule schicken. die hauptschulen bekommen nämlich ein ranking für ihren notendurchschnitt. dieser wäre naturgemäß schlechter, wenn man konsequent versuchen würde alle schüler mit einem schnitt der besser als 2,4 ist auf die real zu schicken…

ich kriege das kotzen wenn ich den schlaganfallsdementen sarrazin hören muss, dessen namen arabischer (!) herkunft ist (er bedeutet “mohammedaner”), der nicht nur mit türken und arabern per se ein problem zu haben scheint sondern auch noch für seine aversion gegen obst- und gemüsehändler applaus erntet. währenddessen versucht eine hier geborene, inzwischen fertig studierte kroatischstämmige freiundin verzweifelt einen deutschen pass zu bekommen, der ihr im endeffekt aus reiner willkür verweigert wird. hätte sie in ihrem studium statistken selbst erfunden oder bei arbeiten die quellennachweise vergessen, so wie sarrazin es tut, so hätte sie ihren abschluss einfach nicht bekommen…

ich mache bei meinen workshops regelmäßig die bittere erfahrung, das ich bei der antwort auf die frage: “was bist du? wo kommst du her” erstaunten unglaube ernte wenn ich “deutscher” sage. anscheinend ist es den meisten einfach vollends ungewohnt einen “biodeutschen” (was für ein unwort im jahre 2010) zu begegnen, der ihnen versucht vorbehaltlos zu begegnen und ihnen etwas zutraut. meistens sogar mehr als sie selbst und leider fast immer mehr als ihre lehrer.

wenn ich dann nach dem aufstehen bei frontal21 noch diesen beitrag finden darf, dann drängt sich mir da gefühl auf, dass es einfach absicht ist, das in deutschland schon lange segregiert wird, dass es unter umständen deswegen gerade nochmal schön propagandös gestreut wird, weil eine gewisse elite um ihre vorherrschaft bangt und auf sozialen unfrieden hofft, damit die menschen nicht auf die idee kommen mal nach französischen vorbild so richtig auf den putz zu hauen.

die debatte wird derart destruktiv geführt und ohne jegliche rücksicht auf das befinden von unseren zugewanderten mitmenschen, dass ich mich ehrlich gesagt wunder, dass alles so friedlich bleibt. auch die islamdebatte geht vollends am thema vorbei. ich erlebe nur mit wie wir muslimische jugendliche radikalisieren, weil wir sie ja eh von vornherein als potentielle terroristen darstellen. so respektlos wie hier über moslems geredet wird habe ich im libanon kenen taxifahrer über christen reden hören. auch keinen türken hier. und solange wir die abschlüsse von zugewanderten akademikern nicht anerkennen ist die dabatte um integration eh für den arsch. wieso sollte sich denn jemand bemühen sich zu integrieren, wenn er erleben darf, dass wir ihm hier praktisch aus der ausbildung reißen damit er nen billigen hilfsjob machen. dafür habe ich in meiner arbeit genug bespiele finden dürfen. mtivierte engagierte jugendliche, die aus absurdesten gründen von der ausländerbehörde aus den schulen genommen wurden und jetzt 1euro jobs machen anstatt was vernünftiges zu lernen.

stellen wir uns mal einen moment vor, wir deutschen hätten die damals ins land geholten arbeitskräfte nicht nur “gastarbeiter” genannt, wir hätten sie auch wie gäste behandelt. wir hätten uns mühe gegeben dass sie sich wohl fühlen, hätten ihnen unser habitat gezeigt, sie rum geführt, ihnen geduldig erklärt wie das hier läuft und auch zu gehört was sie uns aus der heimat berichten, wir hätten ihren kindern vermittelt das wir sie brauchen und wir ihnen dankbar sind das sie jetzt hier leben und arbeiten; wir hätten dafür gesorgt dass sie eine gelegnheit bekommen ihre talente zu entdecken und zu entfalten, dass sie auch die deutschen gepflogenheiten schätzen lernen, zum beispiel bei einem besuch bei ihrem deutschen gesamtschulklassenkameraden, ja vielleicht hätten wir den moslems unter ohnen sogar eine moschee gebaut, aber eine schne und nicht mitten im industriegebiet….

ich glaube es wäre dann heute üblich diese menschen nicht mehr als gäste zu sehen, sondern als bürger wie jeden anderen auch. die schwäbische mutti würde ihr lamm beim halalmetzger kaufen und die gesamt gesellschaft könnte sich ernsthafteren problemen zuwenden als aus segregiernder angst selbsterzeugter fremdenfeindlichkeit gegen große teile des eigenen volkes.